SV Dessau 05

"Fiete" steht vor seinem 1000. Spiel

Björn Reinhardt, 30.05.2018

"Fiete" steht vor seinem 1000. Spiel

Hinter der 1000 steht noch ein mit Bleistift notiertes Fragezeichen. Günter Wallach ist da ein Sportsmann auf ganzer Linie. "Ich weiß ja noch nicht, ob Frank am Wochenende spielt. Das muss der Trainer entscheiden." Der 73-jährige Rentner führt ein Buch über das sportliche Erbe seiner Familie. Vater Ernst war einst Fußballer im polnischen Breslau. Er selbst ist seit über einem halben Jahrhundert mit dem ESV Lokomotive Dessau verbunden. Sein Bruder Peter ist ebenfalls Fußballer und nahm als Leichtathlet sogar an den olympischen Spielen teil. Nun führt Frank "Fiete" Wallach, der jüngste Sohn von Günter Wallach, jenes sportliche Erbe fort. Den Rufnamen "Fiete", unter dem er jedem der etwas auf den Fußballsport hält über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist, hat er bereits geerbt. Sein Vater Günter wurde einst von Bruder Peter so genannt.

Angefangen hat alles mit dem ersten Training im Juli 1992. Natürlich trat Frank Wallach bei Lok Dessau in die Fußstapfen seines Vaters. Das erste Spiel folgte am 13. September des selben Jahres. Ein Testspiel gegen die 4. E-Juniorenmannschaft vom damaligen FC Anhalt Dessau wurde mit 3:1 gewonnen. So steht es in einem einfachen, bereits in die Jahre gekommenen Notizbuch. Günter Wallach hat alles notiert. Datum, Gegner, Ergebnisse, selbst Tore und spätere gelbe Karten, sowie Feldverweise. Jedes Spiel ist durchnummeriert. Dazu sind an den Rändern immer wieder private Fotos und Ausschnitte aus der Mitteldeutschen Zeitung eingeklebt. Im Buch vertieft gelingt es so Vater und Sohn zu nahezu jedem Spiel eine Geschichte zu erzählen. Fett eingekreist ist der erste Meilenstein. Im April 1995 hatte Frank Wallach sein 100. Spiel für die Lok absolviert. Die Begegnung gegen Abus Dessau konnte mit 4:2 gewonnen werden.

Mit dem Spiel 140 wurde es im Februar 1996 international. Frank Wallach kickte in einer Kreisauswahl beim Victoria-Cup, dem Vorgänger des heutigen Allianz-Cups, im Eröffnungsspiel gegen den AC Mailand und konnte sich bei der 1:3 Niederlage in die Torschützenliste eintragen. Nach genau 350 Spielen endete das Kapitel Lok Dessau für Frank Wallach. "Die Mannschaft der C-Junioren ist damals zusammengebrochen, deshalb folgte der Wechsel zu Anhalt Dessau", weiß Vater Günter Wallach zu berichten. Das letzte Spiel für den Lok-Nachwuchs absolvierte Wallach am 18. Juni 2000. Es war eine Niederlage gegen den Dessauer SV. Der nächste Meilenstein folgte im Spiel zwischen den A-Junioren des FC Anhalt Dessau und des Magdeburger SV Preussen im Dezember 2003. Spiel Nummer 500 wurde absolviert. Am Saisonende sollte seine Zeit beim FC Anhalt dann allerdings beendet sein. Aufgrund der Insolvenz und der damit verbundenen Auflösung des Vereins folgte 2004 der Wechsel in den Schillerpark zum SV Dessau 05. Noch für die A-Jugend spielberechtigt, absolvierte Wallach sein erstes Punktspiel bei den Männern im Oktober 2004. Die Landesklasse-Begegnung gegen Annaburg konnte "Fiete" mit der 2. Mannschaft 3:2 gewinnen.

Ein nächstes Highlight gab es für Frank Wallach im Spiel 556. Es war sein letztes Spiel als Nachwuchskicker. Mit dem SV Dessau 05 konnte er im heimischen Schillerpark den Brandenburger SC Süd mit 6:0 vom Feld fegen und damit mit der A-Jugend den Regionalligaaufstieg perfekt machen. Spielen durfte er allerdings nicht mehr in der Regionalliga. Er war zu alt. Also ging es zurück zu den Wurzeln. In der damaligen Landesligamannschaft vom ESV Lok Dessau absolvierte "Fiete" sein erstes Spieljahr bei den Männern. Nach einem erneuten Intermezzo beim SV Dessau 05 und dem wiederholten Wechsel zur Lokomotive, hat er 2010 endlich seine Heimat im Schillerpark gefunden. Der Mann mit der Rückennummer 2 ist seitdem nicht mehr aus dem Kader des Verbandsligisten wegzudenken.

Der 970. Einsatz war für Frank "Fiete" Wallach das absolute Highlight. Im Spiel gegen den Bundesligisten RB Leipzig glänzte er zunächst als Verteidiger auf dem Feld und nach seiner Auswechslung mit den Fans am Bierstand. Kurz zuvor folgte die erste Nominierung für die Nationalmannschaft der Eisenbahner. Im Dresdener Heinz-Steyer-Stadion absolvierte Wallach gegen die tschechische Auswahl sein erstes Länderspiel. Es folgte die Teilnahme an der Futsal-Weltmeisterschaft, sowie Spiele für die Futsal-Auswahl des FSA. Aber auch hier ist Vater Günter korrekt: "Das ist kein Fußball, deshalb wurden diese Spiele nur notiert, aber nicht mitgezählt." Das 999. Spiel fand in Sangerhausen statt. Das 1000. könnte gegen Haldensleben folgen. Für Frank Wallach ist die Saison dann aber noch nicht beendet. Mit der Nationalmannschaft der Eisenbahner fährt er in der kommenden Woche nach Duisburg zur WM Qualifikation und absolviert dort die Gruppenspiele gegen Russland und Österreich.


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