SV Dessau 05

Geschichten aus der Anhalt Arena

Björn Reinhardt, 11.01.2020

Geschichten aus der Anhalt Arena

Der Ford-Cup 2020 ist Geschichte und damit auch das größte Hallenturnier der Region mit Vollbande. 4 Stunden pure Hallenfußballaction boten die teilnehmenden Mannschaften den Zuschauern am Freitagabend in der Anhalt Arena. Zu sehen gab es dabei den traditionellen Hallenfußball, wie wir ihn einst lieben lernten, und nicht die vom DFB seit Jahren durchgedrückte südamerikanische Sportart.

 

Alexander Probst wird bester Torhüter

Der erst 17-jährige Alexander Probst hütete beim Ford-Cup das Tor des SV Dessau 05 und das mit Bravour. Mit zahlreichen Paraden begeisterte Probst das Publikum in der Halle und sorgte damit immer wieder für gute Stimmung. Als der junge Keeper dann im Neunmeterschießen auch noch das direkte Duell gegen Torwartlegende Tomislav Piplica für sich entscheiden konnte, blieb der Jury des Turniers keine andere Wahl.

 

"Pommes" wieder im Kasten

Aufgrund einer Zwangspause für Probst rückte Universalspieler Friedrich Fromm für einen Neunmeter gegen den VfL Halle erneut zwischen die Pfosten. Der Angreifer verhielt sich auch auf fremder Position gänzlich professionell und entschied sich für die rechte Ecke - Problem: Halles Nils Bolz schoß einfach in die Mitte. Fromm danach trocken: "Einer drauf, einer drin. Ich habe mich gefühlt wie ein Vizepräsident."

 

Schlitzohr Robert Römer

Robert Römer, der vom Alter her selbst in der Auswahl der Bundesligalegenden hätte mitspielen können, hatte sich im Neunmeterschießen für Tomislav Piplica etwas besonderes überlegt. Den ersten Ball zwobelte er mit dem Standbein ins Netz, der zweite ging knallhart in den Winkel und beim entscheidenden Neunmeter wechselte er einfach mal auf den linken Fuß.

 

Tolle Kulisse in der Anhalt Arena

Knapp 1000 Zuschauer haben den Weg am Freitagabend in die ehemalige Industriehalle gefunden und sorgten über den gesamten Turnierverlauf für eine tolle Kulisse. Die Anhänger der Nullfünfer sind dabei dem Aufruf gefolgt und haben sich in, sowie um Block A versammelt. Auch das Team aus dem Schillerpark ließ sich in der spielfreien Zeit immer wieder im Block blicken. Eine Mannschaft zum Anfassen eben.

 

Neuzugang blüht auf

Anfangs hatte sich Nabil Mahmoud noch zurückgehalten und brachte in seinen ersten Spielen für den SV Dessau 05 eine Menge Respekt vor dem Gegner mit. Mit fortschreitender Turnierdauer legte er diesen allerdings ab, steigerte sich immer weiter ins Spielgeschehen seiner neuen Mannschaft. Gegen Halle 96 glänzte er mit einer Vorlage, bei Inter schlugen seine Torschüsse gleich doppelt im Gehäuse ein. Allerdings fand  Mahmoud seinen Meister vom Neunmeterpunkt. Gegen Tomislav Piplica scheiterte er gleich zwei Mal.

 

Perfekt vorbereitet für das erste Interview

Da staunte Werner Michaelis von der Mitteldeutschen Zeitung nicht schlecht. Um jedweden Kommunikationsproblemen vorzubeugen, hatte der SV Dessau 05 eigens einen Dolmetscher für Nabil Mahmoud organisiert. Dafür stellte sich freundlicherweise Huner Khalil, Nabils ehemaliger Trainer und Förderer bei der BSG Midya Dessau, zur Verfügung.

 

Pfiffe für die Bundesligaauswahl

Als Nachwuchstrainer bringen sie ihren Spielern Werte wie Fair Play und Respekt bei. Für sie selbst galt das allerdings nicht. Nach dem überraschenden Vorrundenaus der Bundesligaauswahl waren zum anschließenden Neunmeterschießen um Platz 5 gerade noch 3 Akteure in der Halle. Bei der Siegerehrung glänzte die Mannschaft gänzlich durch Abwesenheit. Die Zuschauer in der Halle quittierten das Verhalten vollkommen zurecht mit Pfiffen. Ein perfideres Aufzeigen, dass die Antrittsprämie wichtiger als das eigentliche Turnier ist, ist eigentlich kaum möglich.

 

Inkompetenz aus Tradition

Auch bei jener Ausgabe wurde fast schon traditionell deutlich, dass das Kampfgericht nicht immer auf der Höhe des Spielgeschehens war. Zudem gab es erneut Schiedsrichter, die sich bei einem Turnier, in dem eigentlich der Spaß im Vordergrund steht, profilieren wollten. Sanktionen, wie übertriebene Zeitstrafen für Wechselfehler oder ähnliche Kleinigkeiten trübten zum Teil die überwiegend positive Stimmung der teilnehmenden Mannschaften. Übrigens: Da nahezu alle Wechsel während einer Spielunterbrechung durchgeführt wurden, hatte sich nicht eine Mannschaft einen Vorteil daraus verschafft. Ein Hallensprecher, der zu oft vom "Kölner Keller" geträumt hatte, verhinderte zu allem Überfluss den Halbfinaleinzug der Nullfünfer. Entscheidungen im Sinne des Fußballs sehen anders aus.