SV Dessau 05

Nullfünfer stellen dem nächsten Favoriten ein Bein

Björn Reinhardt, 09.03.2020

Nullfünfer stellen dem nächsten Favoriten ein Bein

Der SV Dessau 05 kehrte am Samstag mit drei Punkten im Gepäck aus Zorbau zurück. Beim designierten Oberligaaufsteiger gerieten die Nullfünfer bereits früh in Rückstand, konnten die Partie allerdings im zweiten Durchgang nach den Treffern von Usman Taiwo (63.) und Ioannis Raisis (86.) noch drehen. Ein Erfolg, der vorallem aufgrund einer sehr engagierten Leistung in der zweiten Halbzeit mehr als verdient war.

 

Ein Spiel für die Geschichte

Sören Barabasch hatte mit seiner Aussage nach dem Spiel, dass man erstmals seit zwei Jahren wieder ein Spiel drehen konnte, fast richtig gelegen. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass den Nullfünfern jenes Kunststück exakt vor 526 Tagen, also nicht ganz zwei Jahren, gelungen ist. Der Gegner damals war ebenfalls Blau-Weiß. Allerdings handelte es sich dabei um die Randhallenser aus Dölau. Der damalige Spielverlauf am 29. September 2018 war ähnlich. Nach einem frühen Rückstand, konnte die Mannschaft aus dem Schillerpark nach den Toren von Daniel Große und Stefan Heisig das Spiel noch drehen. Gegen Zorbau sollte das nun erneut gelingen.

Lucian Mihu hatte dabei exakt der gleichen Startelf wie beim Heimsieg gegen Amsdorf vertraut. Die Mannschaft hatte der Übungsleiter entsprechend eingestellt, wohlwissend, dass Zorbau spielerisch nochmals eineinhalb Nummern größer als der Gegner aus der Vorwoche wird. Die erste Chance im Spiel gehörte zunächst den Gästen aus der Bauhausstadt. Blaise Sindjui tauchte bereits nach drei Minuten völlig frei vor dem Tor von Zorbau-Schlussmann Dominic Heine auf. Eine Flanke von Usman Taiwo wollte der US-Amerikaner direkt verwandeln. Sein Schuss ging knapp am Pfosten vorbei. Vor dem Dessauer Kasten wurde der Gastgeber vor allem durch Standardsituationen gefährlich. Eine solche Situation wusste dann auch sogleich Niklas Hartmann (10.) zu nutzen. Nach einem Freistoß stimmte die Zuordnung im Strafraum der Gäste überhaupt nicht. Hartmann hatte bei seinem Kopfball gegen die Laufrichtung von 05-Keeper Nourougo Ouattara leichtes Spiel.

 

Die neue Mentalität

Noch vor Jahresfrist wäre jetzt wahrscheinlich bereits der Ofen aus gewesen. Die im Winter runderneuerte Elf des SV Dessau 05 zeigte in Zorbau ein gänzlich anderes Gesicht. Zunächst blieb allerdings der starke Gegenwind auf dem tiefen Zorbauer Geläuf der größte Gegner. Einige hoch gespielte Pässe nahmen in der Luft unberechenbare Flugbahnen an. Kurz vor dem Pausenpfiff hatte Mario Hesse die nächste aussichtsreiche Möglichkeit für die ganz in rot spielenden Gäste, scheiterte aber an Heine.

Und so verlagerte sich das Spielgeschehen im zweiten Durchgang immer weiter in die Hälfte der Gastgeber. Der SV Dessau 05 drängte auf den Ausgleich, während Zorbau nur durch einen Freistoß nach einer knappen Stunde nochmals Gefahr für das Gehäuse von Ouattara ausstrahlte. Wenig später war dann der Moment von Usman Taiwo (63.) gekommen. Der großgewachsene Niederländer konnte sich mit seinen langen Beinen den nötigen Vorsprung erarbeiten und den Ball völlig frei an Heine vorbei zum Ausgleich im Tor unterbringen. Und der Mann mit der Rückennummer 3 hätte kurz darauf sogar einen Doppelpack schnüren können. Nur der ganz großen Torwartkunst von Heine war es zu verdanken, dass die Führung nicht bereits in der 77. Minute gefallen ist.

Alle Dämme sollten vier Minuten vor Abpfiff brechen. Taiwo hatte Ioannis Raisis ins Laufduell mit Sebastian Konik geschickt. Letzterer hatte, vollkommen überfordert, nur noch im Blick, den Griechen irgendwie von hinten von den Beinen zu holen. Raisis ließ sich davon nicht beirren und stand auch erneut auf, nachdem Heine im Strafraum alles andere, als den Ball getroffen hatte, um dann die Kugel zur groß umjubelten Führung über die Torlinie zu tragen. Es folgte das komplette Unterhaltungsprogramm inklusive vom Leib gerissenen Trikot, Vorwärtssalto und der daraus resultierenden gelben Karte. Die verbleibenden Spielminuten haben die Dessauer mit vollem Einsatz heruntergespielt. Da gehörte dann auch dazu, dass Mario Hesse mit Robert Römer seinen eigenen Mitspieler recht unkonventionell an der Eckfahne von den Beinen geholt hat, um den Ball vor dem Gegenspieler abzuschirmen. Die anschließende Freude über den Auswärtssieg kannte keine Grenzen.

Der Siegtorschütze Ioannis Raisis gab unmittelbar nach der Begegnung zu Protokoll, dass er zu keinem Zeitpunkt an diesem möglichen Erfolg gezweifelt hatte. "Wir sind mit einem Rückstand in die Pause gegangen. Während uns der Coach in der Kabine auf die zweite Halbzeit einschwörte, habe ich in die Gesichter meiner Mannschaft geschaut. Ich habe gespürt, dass nicht einer bereit war, hier nur einen Punkt mitzunehmen. Wir wollten das Spiel unbedingt drehen." Natürlich freute sich auch Verbandsligatrainer Lucian Mihu über den Erfolg. "Ich kann der Mannschaft nur zu dieser Leistung gegen ein individuell sehr gut besetztes Team gratulieren. Wir haben eine solide Vorstellung gezeigt. Alle haben hart dafür gearbeitet. Deshalb war dieser Sieg auch absolut verdient", so Mihu, der aber auch weiß, dass es mit den Erfolgen gegen Amsdorf und Zorbau noch nicht getan ist: "Wir werden erst wissen, welchen Wert die Punkte gegen zwei Spitzenteams der Liga haben, nachdem wir uns mit der direkten Konkurrenz gemessen haben. Gegen Arnstedt müssen wir jetzt den nächsten Schritt machen." Eben jene Arnstedter sind mit neun Punkten perfekt aus dem Winterschlaf erwacht und konnten erst am vergangenen Wochenende vom FSV Barleben gestoppt werden. Am kommenden Samstag treffen beide Mannschaft im Stadion am Schillerpark aufeinander.