SV Dessau 05

Werners Weisheiten: Abstiegskampf

Björn Reinhardt, 13.03.2020

Werners Weisheiten: Abstiegskampf

Ursprünglich hatten wir geplant, den SPORTSPIEGEL, das traditionelle Sprachrohr der BSG Motor Dessau, mit dem ersten Heimspiel im März als Magazin zum Spieltag neu aufleben zulassen. Da hatten wir allerdings noch nicht mit dem Corona-Virus gerechnet. Doch die in das Heft gesteckte Arbeit soll nicht umsonst gewesen sein. Einzelne Texte werden wir natürlich für die nächste Ausgabe in der Schublade behalten, andere wollen wir an dieser Stelle veröffentlichen. Den Anfang machen "Werners Weisheiten", an was sich der langjährige Mannschaftsleiter Werner Michaelis noch so erinnern kann. Diese Serie wird in Zukunft jedes Heft abschließen. Bitte berücksichtigt, dass das Interview in Vorbereitung auf das ursprünglich geplante Heimspiel gegen Edelweiß Arnstedt geführt wurde. Einzelne Passagen passen deshalb nicht mehr in den aktuellen Kontext.

 

Werner Michaelis kann man schon als Vereinslegende bezeichnen. Es gibt quasi nichts, was der Mann mit den deutlichen Worten noch nicht gesehen hat. Seit 1962 ist Michaelis Mitglied beim SV Dessau 05. Viele Jahre begleitete er die damalige Schülermannschaft der BSG Motor Dessau als Trainer. In der Nachwendezeit wurde Michaelis zum Mannschaftsleiter des SV Dessau 05. Ein Amt, dass er über 20 Jahre bekleiden sollte. Inzwischen ist er bereits seit vielen Jahren als Sportjournalist bei der Mitteldeutschen Zeitung exklusiv für die Geschehnisse rund um den Schillerpark verantwortlich. Er ist noch immer einer der größten Fans des Vereins, aber eben auch einer der größten Kritiker. Mit ihm werden wir uns in Zukunft regelmäßig unterhalten. Dabei herausgekommen sind: Werners Weisheiten.

 

Hallo Werner. Aktuell befindet sich die Verbandsligamannschaft mitten im Abstiegskampf. Hast du eine solche Drucksituation schon einmal erlebt?

In meiner Zeit als Mannschaftsleiter ging es eigentlich nur bergauf. Wir hatten uns damals nach der Wende neu formiert und sind 1991 als SG Waggonbau 05 Dessau in der Bezirksklasse (die heutige Landesklasse) gestartet. 1994 sind wir in die Landesliga Mitte aufgestiegen. 1998 folgte der erstmalige Aufstieg in die Verbandsliga. 2004 wurden wir dann Landesmeister. Damit verbunden war auch der Aufstieg in die Oberliga. Damals war es noch unüblich, als Meister auf den Aufstieg zu verzichten. Den Kampf um den Klassenerhalt habe ich erstmals im Jahr 2005 in der Oberliga erlebt. Allerdings kam damals noch dazu, dass wir das einzige Jahr erwischt hatten, in dem gleich 5 Mannschaften aus der Liga absteigen mussten, da die Staffel von ursprünglich 18 auf heute 16 Teams reduziert wurde. Das war für uns sehr unglücklich. Nach dem direkten Wiederaufstieg hatten wir dann 2007 die gleiche Situation. Am Ende konnten wir trotz Trainerwechsel – ich habe zuvor 15 Jahre mit Dieter Hausdörfer zusammengearbeitet – die Liga nicht halten. Das hat uns auch finanziell das Genick gebrochen. In der Verbandsliga nehme ich eine solche Situation jetzt erstmals als Außenstehender wahr. Den Zwangsabstieg nach der Insolvenz im Jahr 2009 klammere ich dabei jetzt aus.

 

Wie ist der Verein, die Mannschaft, wie bist du persönlich mit dem Abstiegskampf in der Oberliga umgegangen?

Das war damals alles etwas professioneller gewesen. Man darf nicht vergessen, dass die Oberliga einst noch die vierte Liga war und auch von den Mannschaften her, eher mit der heutigen Regionalliga vergleichbar ist. Wir hatten nach dem Aufstieg sehr viele neue Gesichter in der Mannschaft und dennoch muss man sagen, dass es am Ende sportlich einfach nicht gereicht hat. Wir konnten dem Druck einfach nicht standhalten, mussten uns zunehmend mit dem Abstieg beschäftigen und es am Ende dann einfach so hinnehmen. Dennoch haben wir den Kopf nie in den Sand gesteckt. Mit dem direkten Wiederaufstieg wurden dann aber leider auch zu viele Fehler in der Führungsetage gemacht. Das war alles zu viel und zu schnell. Am Ende gab es den bekannten Ausgang mit Insolvenz und Zwangsabstieg. Für mich war das alles auch zu viel. Ich habe nur den Blick für das Sportliche gehabt. Das hat mich persönlich unheimlich getroffen. Aber es musste ja irgendwie weitergehen.

 

Zurück zum Sportlichen. Welche Parallelen erkennst du?

Man muss zunächst folgendes festhalten: Es wird ja auch so unglaublich viel Blödsinn erzählt. Irgendwelche Leute außerhalb des Vereins reimen sich dabei so manches zusammen und tragen diesen Quatsch dann in die Welt. Aber der Verein hat mit seinen wenigen finanziellen Mitteln sehr viel erreicht. Ob das unter dem damaligen Vorstand mit Ulf Schuster war, der im Prinzip die Mannschaft von Null komplett neu aufgebaut hat, oder unter dem jetzigen Vorstand, der die Mannschaft entsprechend weiterentwickelt. Leider haben wir eine, und das muss man so deutlich sagen, sehr schlechte Hinrunde gespielt. Das lag mitunter auch am großen Verletzungspech mit phasenweise bis zu 9 ausgefallenen Spielern. So etwas kann man dann auch irgendwann nicht mehr kompensieren. Dann kam die Winterpause und es wurden viele neue Spieler geholt. Ich hatte dabei ehrlich gesagt auch erst meine Bedenken. Aber dann war ich nach dem letzten Testspiel gegen Eisenberg sehr positiv überrascht. Auch das Spiel gegen Amsdorf hat mich und andere Zuschauer richtig mitgerissen. Die Mannschaft zeigt jetzt eine ganz andere Ausstrahlung, als noch vor dem Jahreswechsel. Man merkt den Jungs richtig an, dass sie Spaß am Fußball haben. Aber: Wir dürfen nicht in alte Muster zurückfallen. Gegen Arnstedt ist die Mannschaft in der Pflicht. Gerade die Duelle gegen die direkten Konkurrenten sind jetzt wichtig. Erst dann sind auch die Erfolge gegen Amsdorf und Zorbau von Wert.

 

Die ersten beiden Spiele sind vorbei. Wo siehst du die Mannschaft am Saisonende? Welchen Rat möchtest du den Jungs mit auf den Weg geben?

Sie müssen diese Leistung konservieren. Das Team darf nicht locker lassen und muss weiter konzentriert auf das Ziel Klassenerhalt hinarbeiten. Sicherlich wird es auch noch Schwächephasen geben. Aber die Mannschaft darf sich nicht durch individuelle Fehler selbst in eine Drucksituation begeben. Jetzt kommen auch wieder einige verletzte Spieler zurück. Das gibt dem Trainer noch zusätzliche Alternativen. Wichtig ist: Klassenerhalt heißt auch Kampf. Und diesen Kampf müssen wir annehmen. Aber da sind auch die Trainer gefordert. Es ist von absoluter Priorität, dass auch in der kommenden Saison noch Verbandsligafußball im Schillerpark gespielt wird.