Nähe sorgt für viel Brisanz: Fußball-Verbandsligist SV Dessau 05 reist am Samstag zum Aufsteiger SG Reppichau. Beide Vereine treffen zum ersten Mal in ihrer Geschichte in einem Punktspiel aufeinander.

Maximal 20 Kilometer beträgt die Entfernung vom Dessauer Stadion am Schillerpark zum idyllischen Waldstadion in Reppichau. Der relativ kleine Ort gehört nicht zu Dessau-Roßlau, sondern zum Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Aufgrund dessen stehen sich am Samstagnachmittag ab 15 Uhr im Waldstadion die heimische SG Reppichau und der Gast vom SV Dessau 05 nicht in einem Stadtderby, sondern am neunten Spieltag der höchsten Fußball-Liga in Sachsen-Anhalt in einem Regionalderby gegenüber. Dabei treffen beide Vereine erstmals in einem Punktspiel aufeinander.

Die SG Reppichau hatte im Sommer den Aufstieg aus der Landesliga-Süd in die Verbandsliga geschafft. Der Aufsteiger hat sich schnell und vor allem erstaunlich gut an die neue Umgebung gewöhnt. Aktuell liegt die SG nach acht Spieltagen mit drei Siegen, zwei Unentschieden und drei Niederlagen auf dem siebten Tabellenplatz.

Dass die räumliche Nähe auch ein Grund ist, dass in der Vergangenheit immer mal wieder Spieler aus beiden Vereinen die Seiten gewechselt haben, versteht sich fast von selbst. Aktuell steht bei den Reppichauern Max Schenk zwischen den Pfosten. Der 21-jährige Keeper wurde abwechselnd im Nachwuchs beider Vereine ausgebildet, landete dann in der zweiten Männermannschaft des SV Dessau 05. Nach deren Auflösung verließ er den Verein und schloss sich Reppichau endgültig an.

„Ich fühle mich bei der SGR sauwohl und habe den Schritt nicht bereut“, erklärte Schenk und richtete sofort den Fokus auf das Match am Samstag gegen seinen Ex-Verein. „Die Gäste sind tabellarisch zwar der Favorit, das hat aber nichts zu bedeuten. Es ist ein Derby und zudem ein Zuschauermagnet. Dazu hat es im Waldstadion jeder Gegner schwer Punkte mitzunehmen. Mein Tipp: Wir gewinnen 2:1.“

Das ist schon mal eine Ansage in Richtung Schillerpark an den vermeintlichen Favoriten. Die Dessauer stehen momentan auf dem vierten Tabellenplatz und haben gerade einmal vier Zähler mehr auf dem Konto als der kommende Gegner. Aber auch bei den Nullfünfern befinden sich Fußballer im Kader mit einer Reppichauer Vergangenheit. Da wäre zuerst der aktuelle Co-Trainer Benny Girke, der immerhin fünf Jahre im grün-weißen Jersey aufgelaufen ist und sich an eine schöne Zeit dort erinnert. Aber der mittlerweile 37-Jährige verweist ebenso auf eine erfolgreiche Zeit beim SV Dessau 05. Er ist heute mit ganzem Herzen ein Nullfünfer.

Girke ist davon überzeugt, dass es ein schweres Spiel für seine Mannschaft werden wird. Aber er ist auch zuversichtlich: „Gelingt es, zu einhundert Prozent unsere Qualitäten abzurufen, kann es mit drei Punkten funktionieren.“

Paul Werthmann hatte, bevor er in den Schillerpark wechselte, zwei Jahre lang die Fußballschuhe für die SG geschnürt. Der 26-jährige Mittelfeldspieler warnt: „Sie haben nichts zu verlieren. Es wird ein intensives und ekliges Spiel.“ Ein wenig moderater fügt er hinzu: „Wir haben die Chance, dort zu bestehen, aber müssen dazu auch bereit sein.“

Derweil hat Nullfünf-Chefcoach Dimitrios Mitsis die Verantwortung in dieser Woche urlaubsbedingt an sein Co-Trainerteam Benny Girke und Robert Römer übertragen. „Beide werden die Mannschaft gut auf das Derby vorbereiten. Da habe ich keine Bauchschmerzen“, sagt er.